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Dieser Text wurde von den Vorjuroren für den Egon-Erwin-Kisch-Preis 2009 vorgeschlagen.
Euskirchen bei Köln, der Wind biegt die Alleebäume, von den Feldern steigen Krähen auf. Der Mann ist aus dem Wagen gestiegen, steht vor dem Gefängniseingang, in schiefer Haltung, er starrt auf die vergitterten Fenster, liest das Schild "Einfahrt nur nach Anmeldung beim Pfortenbeamten". Er lässt die schwere Tasche zu Boden gleiten, Wäsche, Bücher, Tabak, CDs, schaut auf seine Armbanduhr: eine letzte Zigarette in Freiheit.
Hans-Jürgen Kuhl, groß, dünn, hüftsteif, die Mundwinkel nach unten gezogen, ehemals Grafiker, ehemals Künstler, ehemals eine Berühmtheit in seiner Heimatstadt Köln, geladen zu Vernissagen, zitiert in Katalogen, gefeiert auf Messen.
Er fingert nach dem Feuerzeug.
An diesem Dienstagnachmittag steht Kuhl vor der Justizvollzugsanstalt Euskirchen, zum Antritt seiner Haftstrafe, sechs Jahre Freiheitsentzug, wenn die Strafe abgesessen ist, wird er über 70 sein, ein Knast-Opa, eine gedemütigte Figur. Zum Ausklang eines Lebens noch der entwürdigende Absturz in die Kriminalität.
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